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Die Kulturlandschaft verändert sich. Oder richtiger: Wir verändern die Landschaft, und dies seit Jahrtausenden. Mit der fortschreitenden Technisierung und Industrialisierung hat sich dieser Prozess aber beschleunigt, und daher erreichte vor allem ab der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts der Flächenverbrauch in manchen Regionen teilweise dramatische Ausmaße. Es zählt wohl zu den großen raumplanerischen, agrar- und umweltpolitischen Herausforderungen, künftig sorgsamer mit Freiflächen umzugehen, attraktive und vielfältige Kultur- und Natur- landschaften zu erhalten oder wieder aufzuwerten.

Qualitativer und quantitativer Landschaftswandel
Zwar war der Landschaftsverbrauch in den vergangenen Jahrzehnten vor allem im Talraum enorm. Trotzdem blieben auch viele Berggebiete hiervon nicht verschont. Diese quantitativen Flächenveränderungen durch neue Gebäude und Straßen sind recht gut dokumentiert. Oft wenig bemerkt findet auch ein qualitativer Wandel statt, der wesentlich schwerer festzu- machen ist. Wie viele Menschen registrieren bewusst, dass ein Obstbaum einem Haus weichen musste oder eine Wiese viermal statt zweimal im Jahr gemäht wird?


Ökologischer Flächenverbrauch
Nach Berechnungen des Umweltbundesamtes werden in Vorarlberg für Bau- und Verkehrsflächen durchschnittlich jeden Tag 4.000 Quadratmeter zu- sätzlich beansprucht. Dabei gibt diese Zahl nicht unbedingt die tatsäch- lichen Veränderungen wieder: Wenn eine Landschaft durch einen Skilift oder einen Weg neu erschlossen wird, so mag die direkt verbaute Fläche zwar klein sein. Die ökologischen Auswirkungen jedoch sind wesentlich gravierender – etwa durch die Beeinträchtigung des Landschaftsbilds oder durch die Störung seltener Wildtiere. In naturnahen Lebensräumen über- steigt dieser sogenannte „ökologische Flächenverbrauch“ die unmittelbar verbaute Fläche daher oft um ein Vielfaches.

Nutzungspolarisierung
Neben dem Flächenverbrauch ist auch eine konträre Entwicklung zu beob- achten: Viele steile oder abgelegene Wiesen werden heute nicht mehr ge- nutzt. Hier breitet sich wieder Wald aus.
Diese Nutzungspolarisierung – Verbauung und intensivere Bewirtschaftung der Gunstlagen einerseits und Aufgabe der Nutzung artenreicher Wiesen und Weiden andererseits - verändert nicht nur das Bild der Kulturland- schaft, sondern beeinflusst das gesamte Artengefüge. Die Folgen hiervon sind meist Verluste an Landschaftsattraktivität und Artenvielfalt.


Schleichende Veränderungen
Weil die Veränderungen schleichend ablaufen, werden sie von uns kaum wahrgenommen. Daher ist eine Betrachtung in größeren Zeitabständen nützlich: So wie uns Fotos zeigen, dass ein Kind gewachsen, ein Mensch gealtert ist, zeigen auch historische Landschaftsaufnahmen die Veränder- ungen. Dies können kartografisch exakte Luftbilder sein. Dies können aber auch ganz gewöhnliche Fotos sein, die uns weniger einen technischen, als vielmehr emotionalen Zugang zum Thema ermöglichen.

Fotos als Landschaftsgedächtnis
Es zählt wohl zu den wesentlichen Aufgaben der Fotografie, Veränderung- en zu dokumentieren; Fotos stützen unser Gedächtnis. Das Gedächtnis dieser Webseite sind vor allem historische Ansichtskarten.
Natürlich lässt sich das Rad der Zeit nicht mehr zurückdrehen. Aber histori- sche Fotos können durchaus hilfreich bei der Entwicklung von Leitbildern für die Kulturlandschaft sein. Bereits ablaufende Veränderungen, etwa durch den Klimawandel, der besonders die Feuchtgebiete weiter unter Druck setzt, oder durch neue Landnutzungen wie den Anbau nachwachs- ender Rohstoffe, werden die bestehenden Konflikte zusätzlich verschärfen. Wir sollten daher rasch Szenarien für die künftige Entwicklung der Kultur- landschaft erarbeiten.


Übrigens wird der Landschaftswandel beim Bemühen, historische Auf- nahmen erneut zu fotografieren, direkt erfahrbar: Fotografen vergangener Jahrzehnte wählten meist attraktive Aussichtspunkte. Heute sind viele davon verbaut oder auch wieder bewaldet. Daher zeigen die Bilderpaare nicht in jedem Fall exakt dieselbe Perspektive. Und manche historische Aufnahme lässt sich überhaupt nicht mehr wiederholen, auch nicht aus anderer Perspektive.


© UMG

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Empfehlenswerte Webseiten:
> Landschaftswandel im oberen Allgäu und im Tannheimer Tal
> Gletscherarchiv
> Natur und Landschaft in Vorarlberg
> Umweltbundesamt (2011) - Versiegelung nimmt zu
> Kultur.Land.(Wirt)schaft - Strategien für die Kulturlandschaft
> Vorarlberg-Atlas
> Vorarlberger Landesbibliothek - Fotosammlung Risch-Lau